Pressemitteilung des Werra-Meißner-Kreis vom 15.07.2026: Herdenschutzförderung braucht mehr Praxisnähe
Studie aus dem Projekt „Schaf schafft Landschaft“ zeigt: Herdenschutz gegen Wölfe ist notwendig, die Förderung muss aber praxistauglicher werden
Wer Schafe oder andere Weidetiere hält, muss sich in Hessen auf die Präsenz des Wolfs einstellen. Auch im Werra-Meißner-Kreis wurden in den vergangenen Jahren immer wieder Wölfe nachgewiesen. Eine aktuelle Studie aus dem Projekt „Schaf schafft Landschaft“ kommt zu dem Ergebnis: Die hessische Förderung für den Herdenschutz ist grundsätzlich sinnvoll, sollte jedoch deutlich stärker an den Bedürfnissen der Betriebe ausgerichtet werden.
Die Studie analysierte das Förderinstrument „Richtlinie Weidetierschutz“ anhand von Interviews mit Schäfereien sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Verwaltung (Bewilligungsstelle Werra-Meißner-Kreis), Beratung (Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen), Verbänden (Hessische Verband für Schafzucht und -haltung e. V.) und dem Hessische Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat. Ziel war es herauszufinden, wie gut die Förderung in der Praxis funktioniert und an welchen Stellen Verbesserungen notwendig sind.
Die Ergebnisse zeigen, dass alle befragten Schäfereibetriebe inzwischen Maßnahmen zum Schutz ihrer Tiere ergreifen – obwohl die meisten bislang noch keinen Wolfsriss im eigenen Bestand erlebt haben. Der Herdenschutz erfolgt notwendigerweise vorsorglich. Dennoch berichten die Betriebe von einem erheblichen Mehraufwand durch den zusätzlichen Herdenschutz und einer dauerhaften psychischen Belastung durch die Unsicherheit, jederzeit mit einem Wolfsübergriff rechnen zu müssen. In einigen Bereichen sehen die befragten Weidetierhaltenden die praktische Umsetzung der Fördervorgaben kritisch. Höhere Elektrozäune seien in steilem, steinigem Gelände oft nur mit großem Aufwand einsetzbar. Aus Sicht der Betriebe sind vielmehr ein fachgerechter Zaunbau und eine hohe Zaunspannung entscheidend für einen wirksamen Herdenschutz. Auch das Förderverfahren der Richtlinie selbst wird von vielen Befragten als zu aufwendig empfunden. Anfänglich lange Bearbeitungszeiten, umfangreiche Nachweispflichten und notwendige Vorleistungen erschwerten insbesondere kleineren Betrieben die Inanspruchnahme der Förderung. Vor allem bei Herdenschutzhunden stünden Aufwand und Förderung aus Sicht der befragten Betriebe nicht in einem angemessenen Verhältnis.
Die Studie empfiehlt deshalb unter anderem, das Antragsverfahren weiter zu vereinfachen, die Möglichkeit einer digitalen Antragstellung zu implementieren, Förderbedingungen flexibler zu gestalten sowie Beratung und Öffentlichkeitsarbeit zu diesem Thema weiter auszubauen. Auch eine proaktivere Information über bestehende Fördermöglichkeiten könne dazu beitragen, dass mehr Betriebe die Unterstützung tatsächlich nutzen.
Gleichzeitig gibt es auch positive Entwicklungen in den Novellierungen der Richtlinie. So wurde die Förderung inzwischen landesweit ausgeweitet und bürokratische Hürden wie das bislang erforderliche Weidetagebuch sind entfallen. Zudem sieht das Ministerium eine grundsätzliche Neuausrichtung der Förderung vor. Künftig soll diese noch stärker an den Bedürfnissen der Praxis ausgerichtet und mit deutlich geringerem Verwaltungsaufwand verbunden werden. Damit werden zentrale Kritikpunkte der Weidetierhaltenden aufgegriffen und die Voraussetzungen für eine breitere Inanspruchnahme der Förderangebote verbessert.
Die Ergebnisse fließen auch in das neue Folgeprojekt „Weidetiere schaffen Landschaft“ ein, das im März dieses Jahres gestartet ist. Darin soll auch der Zielkonflikt zwischen dem Schutz des Wolfs und dem Erhalt einer wirtschaftlich tragfähigen Weidetierhaltung weiter untersucht werden. Denn gerade sie ist für den Werra-Meißner-Kreis von großer Bedeutung: Weidetiere erhalten wertvolle Offenlandlebensräume und leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der artenreichen Kulturlandschaft.
Die Studie macht deutlich: Herdenschutz alleine ist keine technische oder finanzielle Frage. Damit das Zusammenleben von Wolf und Weidetierhaltung langfristig gelingen kann, braucht es praxisnahe Förderinstrumente, verlässliche Beratung und einen engen Austausch zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Politik.
Weitere Informationen der Interviewstudie zur Förderrichtlinie „Weidetierschutz“ des Landes Hessen finden Sie auf der Schafland17 Website: https://www.schafland17.de/projektmassnahmen/wolf-herdenschutz/rws



